Conditum Paradoxum – Römischer Gewürzwein

„Ein Trinkgefäß, sobald es leer, macht keine rechte Freude mehr.“[1] Das wissen schon die Alten Römer, denn Wein zählt im Imperium Romanum sozusagen zu den Grundnahrungsmitteln. Pur, mit Wasser verdünnt oder als Kochzutat – mit Wein wird in der Antike bestimmt nicht gegeizt.

Und so wie wir unserem abendlichen „Verdauungsschnapserl“,  schreiben auch die Römer ihrem Nationalgetränk eine außerordentlich gesundheitsfördernde Wirkung zu. [2] Wein als Medizin – darauf ein Prosit! Da versteht es sich von selbst, dass der göttergleichen Kraft des Weins auch in den Kochbüchern gebührend Respekt gezollt wird. Apicius setzt in seinem De re coquinaria ein Weinrezept gleich an erste Stelle: Und zwar Conditum paradoxum, ein sehr exquisiter römischer Gewürzwein.[3]

Da ich einem abendlichen Gläschen Wein selten abgeneigt bin, mache ich mich gleich mal an die Umsetzung des Rezepts. Wie sich herausstellt, ist Honig hier die Hauptzutat: Ich glaube, ich habe noch nie solche Mengen an Honig verbraucht wie in diesem Rezept! Dementsprechend süß fällt auch das Ergebnis aus: Conditum paradoxum muss sich hinter Portwein oder Sherry bestimmt nicht verstecken – ist gleichzeitig aber würziger, denn der Pfeffer verleiht dem Getränk eine scharfe Note.

Mein Tip: Sehr lecker schmeckt der römische Gewürzwein zu Desserts und Käse-Antipasti!


Zutaten:[4]

1 l Wein (trocken)
200 – 400 g Honig
10 g Pfefferkörner
1 Prise gemahlener Mastix (Pistazienharz)[5]
1-2 Lorbeerblätter

  1. 1/8 l Wein mit dem Honig mischen. Da der Honig sehr intensiv und süß schmeckt, reicht eine Menge von 200 g absolut, obwohl Apicius hier anderer Meinung ist.[6]
  1. Die restlichen Zutaten mit Ausnahme des übrigen Weins zugeben, abkühlen lassen und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Da sich meine Pfeffermühle auch mit Gewalt nicht aufschrauben ließ, musste ich auf die Pfefferkörner verzichten und habe sie stattdessen mit einer Messerspitze gemahlenen Pfeffer ersetzt – klappt genauso!
  1. Am Ende den restlichen Wein zugeben und fertig ist der Honig-Gewürz-Wein!

Weitere leckere römische Rezepte gibt‘ auf meinem Food Blog:

Weißwein-Birnen-Tarte

Antipasti aus Trauben, Oliven & Honig


[1] Zitat von Wilhelm Busch.
[2] Plutarch, Moralia I, Vorschriften zur Gesundheit, 19.
[3] Apicius, De re coquinaria, I, 1.
[4] Apcius gibt bei diesem Rezept die konkreten Mengenangaben wieder.
[5] Mastix gibt es in griechischen Lebensmittelgeschäften oder online zu kaufen: www.gewuerzshop-mayer.de
[6] Apicius empfiehlt ein Verhältnis von Honig zu Wein von knapp 1:2, also 400 g Honig auf 1 l Wein.

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