Buchrezension: Das Römerkochbuch

Bild vom Buch: Das Römerkochbuch von Edgar ComesVorgestern bestellt, und heute schon in meinem Briefkasten: Das „Römerkochbuch“ – ein kleines, aber feines Büchlein, das sich ganz der römischen Küche – und den römischen Rezepten – widmet.

Angaben zu Buch und Autor

Das „Römerkochbuch“ ist ein schmales, 128 Seiten starkes Kochbüchlein zur römischen Küche. Autor ist Edgar Comes, Mitglied und Vorsitzender des Vereins Milites Bedenses für experimentelle Archäologie.

Titel: Das Römerkochbuch
Autor: Edgar Comes
Verlag: FEL!X AG
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 128 S.
Preis: 14,95€

Gliederung und Aufbau des Buchs

Das „Römerkochbuch“ ist grob in drei Abschnitte gegliedert. Der Einführungsteil umfasst neben Vorwort und Einleitung zwei kurze Kapitel zu den römischen Ernährungsgewohnheiten:

  • Vorwort
  • Einleitung
  • Mahlzeiten und Tischsitten
  • Die Rohstoffe

Danach folgt der Hauptteil des Buches mit Vorstellung der einzelnen römischen Rezepte. Die Rezepte sind in vier Hauptkategorien gegliedert. In Klammer ist jeweils die Anzahl der Rezepte in den einzelnen Kategorien angeführt:

  • Gustationes (Vorspeisen) (13)
  • Additiones (Beilagen) (12)
  • Mensae Primae (Hauptgerichte) (21)
  • Dulcia (Dessert) (7)

Ein separater inhaltlicher Teil am Ende des Buchs nehmen Referenzen und Empfehlungen des Autors ein:

  • Die Quellen
  • Service
  • Dank
  • Menüvorschläge

Buchkritik und Bewertung

Seine Motivation zur Verfassung des Buchs teilt uns Edgar Comes im Vorwort des „Römerkochbuchs“ mit: „Es ist an der Zeit, mit althergebrachten Klischees aufzuräumen, die die Kochkunst der alten Römer als überaus gewöhnungsbedürftig beschreiben.“ Natürlich kann man sich darüber streiten, wie gewöhnungsbedürftig Fischsauce, Hülsenfrüchte und Lauchgemüse für den heutigen Geschmack wirklich sind – aber ich muss dem Autor in dieser Hinsicht recht geben: Alltagstauglich ist die römische Küche auch in der heutigen Zeit: Die meisten Zutaten sind problemlos im Supermarkt erhältlich und die Zubereitung ist überwiegend einfach.

Nach seinem Vorwort und einer kurzen Einleitung gibt Edgar Comes zuerst einen kleinen Einblick in Tischsitten, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittel der Römer. Dabei beschreibt er den typischen Tagesablauf eines Römers der Oberschicht: Ientaculum (Frühstück) zwischen 7:00 und 9:00 Uhr, Prandium (Lunch) um ca. 12:00 Uhr und Cena (Dinner) um 15:00 Uhr. Abendessen um 15:00 Uhr? Das zumindest ist für uns heute ziemlich ungewöhnlich.

Im Kapitel „Rohstoffe“ hält sich der Autor dann ebenfalls kurz und führt in den einzelnen Kategorien die jeweils gebräuchlichsten Zutaten und Lebensmittel an. Ausreichend für einen kurzen, schnellen Überblick und zur Einstimmung auf den eigentlichen Schwerpunkt des Buchs: Die Darstellung der einzelnen römischen Rezepte.

Die Gliederung der Rezepte in Vorspeisen, Beilagen, Hauptspeisen und Nachspeisen ist teilweise authentisch, teilweise aber auch dem modernen Verständnis angepasst. So entsprechen die Vorspeisen-Rezepte weitestgehend tatsächlich dem römischen Verständnis von Vorspeisen (Gustationes). Die Gliederung in „Beilagen“ und „Hauptspeisen“ ist hingegen eher unserem heutigen Geschmack nach Einteilung von Gerichten in die fleischlastige Hauptkomponente und die gemüselastigen Beilagen geschuldet. Bei den Römern wird hier in der Regel aber nicht streng unterschieden, die Gerichte eher tapasartig zusammengestellt und serviert. Praktisch zur Orientierung ist die Gliederung aber auf jeden Fall: So kann sich der Leser schnell aus den einzelnen Komponenten ein eigenes römisches Menü zusammenstellen.

Bei seinen römischen Rezepten konzentriert sich Edgar Comes auf das Kochbuch De re coquinaria des Apicius. Zwei Rezepte stammen aus dem Appendix Vergiliana bzw. den Excerpta a Vinidario und zwei weitere Rezepte (eine amüsante Idee) aus der eigenen Feder des Autors. Die angeführten Rezepte sind gut ausgewählt: Edgar Comes verzichtet auf übertrieben exotische Gerichte und konzentriert sich auf einfach nachzukochende und für uns geschmacklich „verträgliche“ Rezepte. Sehr positiv – und nicht selbstverständlich – ist die Angabe der jeweiligen Quellen zu den einzelnen Rezepten. Gut gemeint, nur: Leider irrt sich der Autor manchmal in der Rezeptnummer, also aufpassen beim Nachschlagen.

Die Rezepte selbst sind authentisch wiedergegeben, die Zubereitungsschritte einfach und verständlich erklärt. Manchmal fügt der Autor zur geschmacklichen Verfeinerung einzelne Teilzutaten frei hinzu oder führt beispielsweise schwer erhältliche Zutaten wie Myrtenbeeren aus dem Original-Rezept nicht an. Aus meiner Sicht durchaus vertretbar – aber da ich gerne authentisch nachkoche, würde ich mir dazu dann einen Hinweis wünschen.

Sehr gut gefällt mir die Bebilderung der Rezepte: Die meisten römischen Rezepte sind doppelseitig und mit großformatigem Farbfoto dargestellt. Die Fotos sind ästhetisch und ideenreich gestaltet und machen Lust aufs Nachkochen der Rezepte.

Einen tollen Impuls zur Menüfolge gibt Edgar Comes im letzten Teil des Buches. Den Leser erwarten fünf unterschiedliche Menüs – zusammengestellt aus den vorhergehenden Rezepten – die zum Nachkochen einladen und zur eigenen Zusammenstellung eines römischen 3-Gänge-Menüs inspirieren. Und wer seine Gäste mit authentischem Geschirr beeindrucken will, der kann sich im Serviceteil über die Möglichkeiten zum Erwerb von Repliken (Kopien) von römischem Geschirr informieren.

Zusammenfassung

Insgesamt macht das „Römerkochbuch“ von Edgar Comes seinem Namen alle Ehre. Mit über 40 ansprechend bebilderten römischen Rezepten – von Vorspeisen über Hauptgerichten bis zu Desserts – bietet der Autor allen Interessierten an der römischen Küche eine schöne Auswahl an Original-Gerichten zum Nachkochen. Besonders gut gefallen mir die Vorschläge zur Menüfolge am Ende des Buches.

Über wenige kleinere Schwächen – Fehler beim Bezug auf die Originalrezepte, unkommentiertes Ergänzen von Rezepten – kann man angesichts der ansonsten sehr schönen Gestaltung hinwegsehen. Von mir gibt’s daher auf jeden Fall eine Kaufempfehlung!

Noch mehr historische Kochbücher? Gibt’s hier:

Buchrezension: Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer

Buchrezension: Kochbuch des Mittelalters

Gleich loskochen kannst du mit diesen römischen Rezepten:

Gurken-Sellerie Salat mit Hühnerbrustfilet

Gebratener Kürbis süß-sauer

Quark-Honig Kuchen mit Mohnstreusel

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