Buchrezension: Kochbuch des Mittelalters

Ritterabende, mittelalterliche Festessen und kleine Schmankerl – ob das „Kochbuch des Mittelalters“ hält, was es verspricht? Ich bin gespannt und mache mich bei einer Tasse Kaffee gleich mal über die vielen Mittelalter Rezepte her.

Angaben zu Buch und Autor

Beim „Kochbuch des Mittelalters“ von Trude Ehlert handelt es sich um ein 248 Seiten starkes Kochbuch mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rezepten.

Titel: Kochbuch des Mittelalters
Autor: Trude Ehlert
Verlag: Patmos
Erscheinungsjahr: 2000
Seitenzahl: 248 S.
Preis: 29,90€

Gliederung und Aufbau des Buchs

Neben einer kurzen Einführung umfasst das „Kochbuch des Mittelalters“ einen großen Rezeptteil, der auch wieder in Unterkapitel gegliedert ist. Die Anzahl der Rezepte habe ich jeweils in Klammern dazugeschrieben.

  • Einführung
  • Die Rezepte
  • Einführung in den Rezeptteil
  • Basisrezepte (7)
  • Suppen (7)
  • Saucen (10)
  • Eier- und Mehlspeisen (10)
  • Innereien (6)
  • Pasteten, Tartes und Teigwaren (9)
  • Fisch (12)
  • Geflügel (10)
  • Fleisch (10)
  • Wild (8)
  • Gemüse (9)
  • Dessert (14)
  • Gebäck (8)
  • Scheingerichte (6)
  • Schauessen (4)
  • Scherzrezepte (5)
  • Anhang

Buchkritik und Bewertung

Trude Ehlerts „Kochbuch des Mittelalters“ zählt zu den Standardwerken der mittelalterlichen Küche – und das zurecht.

Wer vor dem Kauf des Buches noch wenig über die mittelalterliche Ernährung und Küche weiß, der wird im Einführungsteil des Buches aufgeklärt. Hier unterscheidet Trude Ehlert gleich zu Beginn zwischen der „Herrenspeise“ und der „Bauernspeise“. Denn ähnlich wie im antiken Rom gliedert sich auch im Mittelalter die Gesellschaft in eine kleine Oberschicht, eine kleine Mittelschicht und eine breite Unterschicht. So zählen beispielsweise Weißbrot, Wild, bestimmte Fische und Importprodukte wie Feigen, Datteln und Limonen zur typischen „Herrenspeise“, während sich die breite Masse der Bevölkerung mit Hafer- und Roggenbrot, Getreidebrei sowie heimischen Gewürzen, Kräutern und Früchten begnügen muss.

Trude Ehlert bringt aber nicht nur den Kontrast zwischen arm und reich zur Sprache, sondern erläutert auch die Eßgewohnheiten, die Bedeutung der Feiertage sowie die Quellenlage zur mittelalterlichen Küche. Wer sich etwas mit der Quellenlage im Mittelalter auskennt, der wird bereits ahnen, dass die meisten Rezepte aus Spätmittelalter und Früher Neuzeit stammen. Trude Ehlerts „Kochbuch des Mittelalters“ ist also – ganz spezifisch ausgedrückt – ein Kochbuch des Spätmittelalters, ergänzt um Rezepte der Frühen Neuzeit. Neben dem bekannten Buoch von guoter spîse nennt sie auch das Mondseer Kochbuch, das Niederdeutsche Kochbuch und die Küchenemeisterei als ihre Quellen. Dabei stelle ich fest, dass sie sich in ihrer Rezeptesammlung auf Kochbücher des deutschen Sprachraums beschränkt.  Beim „Kochbuchs des Mittelalters“ handelt es sich daher in erster Linie um ein Kochbuch des deutschsprachigen Mittelalters.

Die gesammelten Mittelalter Rezepte selbst sind ausführlich erläutert und beschrieben. Gleich zu Anfang stellt die Autorin so genannte „Basisrezepte“ vor – wie beispielsweise Mandelmilch, Strauben-, oder Pfannkuchenteig. Ein sehr hilfreicher Einfall, denn in vielen Rezepten wird immer wieder auf diese Grundrezepte zurückgegiffen. Ein großer Pluspunkt ist auch die Angabe der Original-Zitate bei jedem Rezept. Dabei erhält man einen guten Einblick nicht nur in den mittelalterlichen Sprachgebrauch, sondern auch in die Besonderheiten mittelalterlicher Kochbücher. Beispielsweise dem Verzicht auf jegliche Mengenangaben. Hier bietet Trude Ehlert Hilfestellung und übersetzt die Rezepte in moderne Kochanleitungen, sehr nah am Original. Einziger Wermutstropfen: Nicht immer folgt den Zitaten auch die Nennung der eigentlichen Quelle, wodurch sich oft nur mutmaßen lässt, welchem Kochbuch das jeweilige Mittelalter Rezept entstammt.

Mit Ausnahme weniger Rezepte wie Wachtelmus oder Schaugerichten wie Bärenkopf sind die Gerichte so ausgewählt, dass sie auch heute leicht nachzukochen sind. Besonders empfehlen kann ich folgende Rezepte:

  • Fastenkrapfen mit Nüssen und Äpfeln
  • Heidnische Kuchen
  • Kräutertorte
  • Griechische Hühner
  • Konkavelite

Etwas ungewöhnlich für ein Kochbuch im modernen Sinn ist der Verzicht auf Rezeptbilder. Da bei mir „das Auge mitisst“ hätte ich mich über ein paar visuelle Anreize gefreut. Hier muss ich also meine Fantasie spielen lassen – und tröste mich mit der dafür umfangreichen Rezeptauswahl.

Zusammenfassung / Fazit

 Mit über 130 Rezepten bietet „Das Kochbuch des Mittelalters“ eine umfangreiche Sammlung an spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rezepten. Bei dieser großen Auswahl kann man nach Lust und Laune ausprobieren. Sehr hilfreich ist das Kapital über die Basisrezepte am Anfang des Kochbuchs, da diese in vielen Gerichten immer wieder Anwendung finden.

Besonders positiv ins Auge gefallen sind mir außerdem die mittelalterlichen Zitate der Original-Rezepte zu jedem Rezept. Dadurch wird noch ein bisschen mehr vom „Geist des Mittelalters“ spürbar.

Wer in die kulinarische Welt der Ritter, Burgfräulein & Spielleute eintauchen möchte und dabei gut auf bunte Bilder verzichten kann, dem lege ich dieses Standardwerk zur mittelalterlichen Küche sehr ans Herz.

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Buchrezension: Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer

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Viele mittelalterliche Rezepte findest du auf meinem Blog:

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Pikante Käsehörnchen

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