Iss dich gesund: Die 4-Elemente-Lehre im Mittelalter

Beispiele für mittelalterliche Lebensmittel nach der 4-Elemente-LehreEssen, worauf man Lust hat. In Zeiten von Low Carb und Clean Eating ist sowas natürlich streng verboten. Früher war das einfacher. Da wurde gekocht, was der Gemüsegarten eben gerade so hergab, oder? Nicht, wenn es nach Gelehrten wie Hildegard von Bingen geht. Denn auch im Mittelalter ist Ernährung nicht nur ein Fall für die Küche – sondern ein medizinisches Problem, über das sich höchste Gelehrte ihre Köpfe zerbrechen.

Alles im Gleichgewicht? Die Grundidee der 4-Elemente Lehre

Am Verbreitesten ist die so genannte 4-Elemente-Lehre bzw. Temperamentenlehre. Sie teilt die Menschen in vier verschiedene Charaktertypen ein: Den Phlegmatiker, Sanguiniker, Choleriker und Melancholiker. Da klingelt bestimmt was, oder? In der Schule schon mal gehört?

Das Problem: Da wir alle in die eine oder andere Richtung aussschlagen, befinden wir uns ständig im Ungleichgewicht. Wir werden krank. Für Gesundheit, Energie und Lebensfreude müssen wir unsere Balance also wieder herstellen. Und das soll am besten über die Ernährung funktionieren. Avicenna beschreibt in seinem Kanon der Medizin, was die einzelnen Temperamente ausmacht und hält auch gleich noch den passenden Diätplan plus mittelalterliche Rezepte parat.

Der Phlegmatiker: Finger weg vom Obst!

Dem trägen Phlegmatiker beispielsweise werden im Rahmen der 4-Elemente-Lehre das Element Wasser mit seinen kalten und feuchten Eigenschaften zugeschrieben. Das typische Couch Potato also. Für seine Ernährung bedeutet das: Finger weg von kalten und feuchten, also saftigen Speisen. Sonst wird das mit dem Gleichgewicht nämlich nichts. Da wäre zum Beispiel Obst oder Salat – beides einleuchtend. Kompliziert wird es erst jetzt: Denn auch alles, was aus kalter und feuchter Umgebung kommt, fällt unter die verbotenen Lebensmittel. Zum Beispiel Fisch und Meeresfrüchte. Darf ein Phlegmatiker nun aber tatsächlich nie gebratene Forelle essen? Doch. Denn ein gewiefter Koch kann die kalten und feuchten Eigenschaften der Forelle durch die richtige Zubereitung verändern. In Ordnung ist deshalb gebackener oder gebratener Fisch. Konsequent zu Ende gedacht, oder?

Der Choleriker: Vitaminkick pur

Das Gegenteil zum Phlegmatiker bildet der Choleriker. Geduld und Gelassenheit sind nicht seine Stärke. Sein Element: Feuer. Seine Eigenschaften: Warm und trocken. Wer gerne Chili, Ingwer und Pfeffer isst, errät schnell, was man im Mittelalter wohl unter wärmenden Speisen verstand. Die Ernährung eines Cholerikers ist darum eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Er muss laut 4-Elemente-Lehre nicht nur auf viele Gewürze verzichten, sondern zum Beispiel auch auf das „warme“ und „trockene“ Rindfleisch. Geflügelarten wie Ente und dem Schwein hingegen werden feuchtere und kühlere Eigenschaften zugeschrieben – gegen den sonntäglichen Frühstücksspeck ist also nichts einzuwenden. Und auch für den richtigen Vitaminkick ist mit Gemüse wie Gurken, Melonen und Kürbissen gesorgt.

Der Melancholiker: Ein Süppchen gefällig?

Welche Eigenschaften fehlen noch? Kühl und trocken zum Beispiel, so wie das Element Erde. Lässt man mal die Subsahara-Zone außer Acht. So kühl und trocken wie die Erde ist auch der traurige und nachdenkliche Melancholiker. Alles, was aus der Erde kommt, ist für ihn ein ernährungstechnischer Fehlgriff . Wurzel-, oder Knollengemüse also beispielsweise. Aber: Auch hier gilt der Zubereitungstrick. Eine wärmende und feuchte Zwiebelsuppe oder ein Karotten-Pastinaken Eintopf liegen durchaus im Bereich des Möglichen. Den Speiseplan ergänzen noch andere warme und feuchte Lebensmittel wie gekochtes Rindfleisch (eigentlich warm und trocken, aber durch das Kochen feucht) oder generell alle gekochten oder gedünsteten mittelalterlichen Rezepte.

Der Sanguiniker: Hauptsache Rohkost

Dem Melancholiker gegenüber steht der Sanguiniker. Er ist das blühende Leben: Überschwenglich, aktiv, ein Wirbelwind: Ganz wie sein Element Luft, dem die Eigenschaften warm und feucht zugeschrieben werden. Aus Sicht der 4-Elemente Lehre hat der Sanguiniker bei einer Pastinaken-Rüben Diät gute Karten, 100 Jahre alt zu werden. Denn als Gemüse, das im Boden wächst, haben beide Sorten die kühlen und trockenen Eigenschaften des Elements Erde – solange sie roh gegessen werden. Auch beim Getreide wie Dinkel, Hafer und Gerste darf der Melancholiker zugreifen. Nicht förderlich für seine Gesundheit sind hingegen Eintöpfe, Suppen und ähnliche warme und feuchte Speisen.

Fazit: Strenge Diät im Mittelalter

Wie diese Beispiele zeigen, ist die mittelalterliche Ernährungslehre erstaunlich komplex. Natürlich haben auch die Griechen und Römer da schon ihre Finger mit ihm Spiel. In der antiken Humoralpathologie (4-Säfte Lehre) des Corpus Hippocraticum finden sich bereits die Grundzüge der mittelalterlichen 4-Elemente-Lehre. Verfeinert werden sie etwas später vom römischen Arzt Galen. Und in mittelalterlicher Form aufgeschrieben von Avicenna in seinem Kanon der Medizin. Wer es sich finanziell leisten kann – und etwas auf seine Gesundheit gibt – isst also auch in Antike und Mittelalter keineswegs, „was der Gemüsegarten eben so hergibt“ – sondern stellt sich seinen ganz eigenen Diätplan zusammen. Eben fast so wie heute.

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Flammkuchen mit Speck und Äpfeln

Pikante Käsehörnchen

Süße Krapfen mit Apfel-Haselnuss Füllung

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