Buchrezension: Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer

Bild eines gedeckten Tischs mit dem Buch Lukullische Genüsse von Brigitte Cech„Lukullische Genüsse“ ist eines der ersten Bücher zur römischen Küche, das mir in die Hände fällt. Schon der Titel lässt vermuten: Jetzt wird der Kochlöffel geschwungen. Aber in diesem Buch steckt mehr als „nur“ ein Kochbuch…

 Angaben zu Buch und Autor

„Lukullische Genüsse“ ist ein informatives Sach-, und Kochbuch zur römischen Küche. Autorin ist Brigitte Cech, Archäologin und Dozentin an der Universität Wien.

Titel: Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer
Autorin: Brigitte Cech
Verlag: Primus
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 208 S.
Preis: 29,90€

Gliederung und Aufbau des Buchs

„Lukullische Genüsse“ ist in sechs verschiedene Kapitel gegliedert, die sich sowohl mit der römischen Esskultur an sich als auch mit der Wiedergabe konkreter römischer Rezepte beschäftigen. Kulturgeschichtliche Analyse und Kochbuch in einem also. Der eigentliche Rezeptteil VI. ist wiederum in Unterkapitel gegliedert, wobei ich die Anzahl der Rezepte nebenan in Klammer () gestellt habe:

I.    Quellen zur römischen Ess- und Trinkkultur
II.   Sitten und Gebräuche rund ums Essen und Trinken
III. Lebensmittel
IV.  Getränke
V.   Küche und Kochen
VI. Römische Rezepte für die moderne Küche adaptiert
…   Würzwein (1)
…   Gebäck (3)
…   Vorspeisen, Gemüsebeilagen und Salate (20)
…   Hauptspeisen (18)
…   Nachspeisen (5)
…   Grundrezepte (3)

Buchkritik und Bewertung

Für kulturhistorisch interessierte Leser wie mich ist natürlich vor allem das zweite Kapitel über die römischen Ernährungsgewohnheiten und Gebräuche interessant. Hier gibt Brigitte Cech einen allgemeinen Einblick in Tischsitten, Tagesablauf und Mahlzeitenfolge der Römer.

Ein eigenes Unterkapitel widmet Brigitte Cech den Kneipen, Gaststätten und Imbissbuden im antiken Rom und gibt in diesem Zusammenhang auch den einen oder anderen Hinweis auf die Lebensbedingungen der römischen „Normalbürger“. Denn die können sich die vielen exotischen Zutaten weder leisten, noch haben sie die Möglichkeit, in ihren beengten Unterkünften selbst zu kochen. Da bleibt nur der Gang in die kulinarisch wenig erquicklichen Imbissbuden.

Alles kein Problem für die wohlhabenden Bürger – Senatoren und Ritter kosten die volle Bandbreite der Zutaten aus. Brigitte Cech erläutert auf kurzweilige Art und Weise die verschiedenen Lebensmittel, die im römischen Reich zur Verfügung stehen. Und da das recht viele sind, nimmt dieses Kapitel neben den Kochrezepten den größten Teil des Buches ein.

Im Gegensatz zu anderen (Koch)Büchern zur römischen Küche handelt Brigitte Cech das Thema Lebensmittel nicht auf wenigen Seiten ab, sondern setzt sich detailliert mit den römischen Zutaten auseinander. Dabei nennt sie die in der jeweiligen Kategorie wichtigsten Lebensmittel. Und weist gleichzeitig auf aktuelle neue Erkenntnisse und Diskussionen in der Forschung hin. Beispiel: Mit Citrium soll statt der Zitronatzitrone eine Melonenart gemeint sein.[1] Und möglicherweise wird auch die äußerst beliebte Zutat ligusticum bisher falsch mit Liebstöckel übersetzt.[2]

Ein besonderes „Schmankerl“ dazu entdecke ich im Anhang des Buches: Hier findet sich das Preisedikt des Diokletian abgedruckt – eine der wichtigsten antiken Quellen zu Sorten und Preisen römischer Lebensmittel.[3]

Bei den Rezepten bezieht sich Brigitte Cech aufgrund der Quellenlage vor allem auf das Kochbuch des Apicius, sie präsentiert aber auch einige Rezepte anderer Schriftsteller wie Cato, Columella und Plinius. In der Auswahl der Gerichte orientiert sie sich am heutigen Geschmack: Exotische Gerichte aus Schweinehirn und Schnecken bleiben uns großteils erspart, dafür finden sich viele einfach zuzubereitende vegetarische und nicht-vegetarische Rezepte. Besonders empfehlen kann ich:

  • Kräuterkäseaufstrich mit Pinienkernen
  • Kürbis auf alexandrinische Art
  • Hühnerbrüste in Weißwein und Milch
  • Schweinsragout mit Marillen
  • Nussauflauf

Die Gliederung der Rezepte in Vorspeisen, Gemüsebeilagen, Salate und Hauptspeisen entspricht eher unseren heutigen Gewohnheiten und nur zum Teil den römischen Sitten. So können beispielsweise die unter den Hauptspeisen geführten Fleisch- und Fischgerichte durchaus auch im Rahmen der Gustationes (Vorspeisen) eines römischen Mahls gereicht werden. Dennoch erleichtert diese Einteilung die Auswahl und Zusammenstellung der Gerichte nach unserem modernen Kochverständnis.

Ein großer Pluspunkt: Bei jedem Gericht ist neben den Angaben zu Zutaten und Zubereitung auch das komplette Original-Rezept in Übersetzung abgedruckt – ein toller Service! Brigitte Cech ergänzt manche Rezepte außerdem noch durch persönliche Anmerkungen oder zusätzliche Hinweise zu den Zutaten.

Die Fotos sind zum Großteil sehr ansprechend und mit Liebe zum Detail gestaltet. Einziger Wermutstropfen: Leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Foto.

Zusammenfassung / Fazit

Insgesamt zählt „Lukullische Genüsse“ zu meinen Favoriten unter den Büchern über die römische Ernährung. Es verbindet auf sehr ausgeglichene Weise kulturhistorische Informationen über die römische Küche mit praxistauglichen Kochanleitungen. Ein Pluspunkt für mich ist die zuverlässige Angabe der einzelnen Quellen zu den Rezepten. Und nicht zuletzt fällt mir bei diesem Buch die große redaktionelle Sorgfalt und Liebe zum Detail auf: Persönliche Anmerkungen und Hinweise finden sich bei fast jedem Rezept.

Für mich ist „Lukullische Genüsse“ eine kleine Perle unter den vielen Büchern zur römischen Ernährung – daher eine volle Kaufempfehlung von mir!

Weitere historische Kochbücher findest du hier:

Buchrezension: Kochbuch des Mittelalters

Buchrezension: Das Römerkochbuch

Meine römischen Rezepte zum Nachkochen:

Zuckermelone in Honig-Minze Sauce

Gebratener Thunfisch auf Kürbis-Zucchini-Gemüse

Quark-Honig Kuchen mit Mohnstreusel


[1] B. Cech, Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer (2013) 62.
[2] B. Cech, Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer (2013) 111.
[3] B. Cech, Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer (2013) 183.

4 Responses to “Buchrezension: Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer”

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.