Tapas im antiken Rom

Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Urlaub auf Mallorca. Vor allem kulinarisch. In knackigen sieben Tagen habe ich mich einmal quer durch die spanische Küche gekostet. Und spanische Küche heisst vor allem eines: Tapas. Die kleinen Appetithäppchen gibt es hier in allen Variationen: Fleischklößchen, geröstete Mandeln, Pflaumen im Speckmantel, gebratene Garnelen und Eier-Omelett. Dazu ein Glas Tempranillo – und ich bin glücklich.

Alle Wege führen nach Rom

Ähnlich würde ich mich wohl auch bei einem römischen Apéro im 1. Jahrhundert nach Christus fühlen. Denn diesem Menü könnte ich dort 1:1 ebenfalls begegnen. Im antiken Rom wird zu Vorspeise, Hauptspeise und Dessert nämlich nicht nur jeweils ein Gericht aufgetischt, sondern oft fünf, sieben oder zehn verschiedene Häppchen. Begleitet von einem nonchalenten: Hier bitte, bedient euch! Tapas im antiken Rom eben.

Und diese Tapas können äußerst variantenreich und kreativ ausfallen. Je spektakulärer der Inhalt der kleinen Schälchen, umso mehr Anerkennung für den Gastgeber. Und da ein römisches Gastmahl immer auch soziales Statement ist, lässt sich hier niemand lumpen.

Wenn Geld keine Rolle spielt: Tapas für die römische Oberschicht

Beispiele für die zu solchen Anlässen gereichten Häppchen liefern uns römische Schriftsteller wie Macrobius oder Juvenal, die als gern gesehene Gäste quasi von vorderster Front berichten. Ein relativ einfaches römisches Menü sieht folgendermaßen aus:

„Hier das Menue. Es wird nichts kosten. Das zarte Zicklein werden die Herden vom Tibur liefern (…) Bergspargel, wie ihn die Bäuerin nach getaner Spinnarbeit erntet, dann dicke Eier, noch warm vom Heunest, aus dem sie geholt wurden, und die Hühner, die sie gelegt haben; gelagerte Weintrauben, doch frisch als seien sie gerade gepflückt, Birnen aus Signia, Äpfel, die wie die herrlichen Früchte aus Picenum duften.“[1]

 Klingt lecker – aber da ist natürlich noch Luft nach oben. Besonders die wohlhabenden Senatoren lassen es bei ihren Gastmählern mit exotischen und kostspieligen Tapas gerne richig krachen:

„Vorspeisen: Seeigel, rohe Austern, so viel man wollte, Riesemuscheln, Lazarusklappe, Drosseln auf Spargeln, Masthähnchen, Auflauf aus Austern und Riesenmuscheln, schwarze Seemuscheln, weiße Seemuscheln, noch einmal Lazarusklappen, Gienmuscheln, Seeanemonen, Feigendrosseln, Eier, Filets von Zicklein und vom Eber, mit Mehl paniertes Mastgeflügel, Feigendrosseln, Stachelschnecken und Purpurschnecken.“[2]

Wohlgemerkt, das sind erst die Vorspeise. Fröhlich geht es mit den Hauptgerichten weiter:

„Hauptspeisen: Milchleisten von Säuen, geräucherter Eberkopf, Fischauflauf, Auflauf von Milchleisten von Säuen, Enten, gesotene Kriechenten, Hasen, gebratenes Mastgeflügel.“[3]

 Und natürlich dürfen auch die Desserts nicht fehlen, die sich im Vergleich zu dem Kanonenfeuer an Vor- und Hauptspeisen fast „bescheiden“ ausnehmen:

 „Nachspeisen: Mehlspeise, Picenisches Brot.“[4]

Tapas sind im antiken Rom aber nicht nur ein Privileg der Reichen und Schönen. In abgespeckter Form finden sie sich auch auf den Tischen der einfachen Bürger – und insbesondere in den zahlreichen Imbissbuden Roms.

Fast Food & Imbiss: Die Tapas der einfachen Leute

Denn während bei uns eine Küche zur Grundausstattung jeder Wohnung zählt, müssen die einfachen römischen Bürger in ihren Mini-Apartments im Regelfall ohne Herd und Ofen auskommen. Die Einrichtung besteht im Wesentlichen aus Kommode, Stuhl, Tisch und Bett – für mehr ist kein Platz. Und wer sich nicht jeden Tag von kalter Platte und Salat ernähren will, muss wohl oder übel auswärts essen.

Deshalb geht man zum Essen auf die Straße – und von dort in die vielen kleinen Lokale, die wie Pilze an jeder Ecke Roms aus dem Boden schiessen. Natürlich haben geschäftstüchtige Unternehmer das Potential der hungrigen Meute erkannt und nutzen die Gunst der Stunde. In ihren Tavernen wird jeder für kleines Geld satt.

Je nach Hunger und Budget bieten sich einfache Eintöpfe aus Gemüse und Hülsenfrüchten z.B. aus Linsen, Bohnen, Lauch, Zwiebeln oder Rüben, oder eben auch kleine Appetithäppchen und Snacks „to go“ an. Nur exotische Tapas wie Feigendrosseln und Purpurschnecken bekommt man hier wohl eher nicht zu Gesicht.

Von den einfachen Häppchen der römischen Normalbürger bis zu den exotischen Tapas der Senatoren und Ritter – Tapas waren im antiken Rom in jeder Gesellschaftsschicht beliebt. Und sind es in Ländern wie Spanien immer noch. Zum Glück muss man dafür heute nicht bis nach Barcelona fahren. Ein Besuch bei der Taverna um’s Eck tut’s auch.

Du willst ein leckeres römisches Rezept nachkochen? Ich empfehle:

Antipasti aus Trauben, Oliven & Honig

Spargelauflauf in Wein-Kräuter Sauce

Nussküchlein mit Mandeln und Honig


[1] U. Fellmeth, Brot und Politik. Ernährung, Tafelluxus und Hunger im antiken Rom (Stuttgart 2001) 94.
[2] Macrobius, Saturnalia, 3, 13, 12. Übers. Nach B. Cech, Lukullische Genüsse. Die Küche der alten Römer (Mainz 2013) 41,
[3] S. Anm. 1.
[4] S. Anm. 1.

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