Bäuerin, Marktfrau, Köchin: Frauenberufe im alten Rom

Frau im antiken Rom, mit einer Schale Trauben in der HandDas Forum ist heute Vormittag mal wieder eine Katastrophe. Der reinste Bienenstock. Es dauert geschlagene 20 Minuten, bis ich mich durch die Markstände hindurchgeschlängelt habe. Und das, obwohl ich mit meinen Ellbogen garantiert nicht zimperlich bin. Endlich bin ich da, wo ich hin will: Julias Feinkost!
„Na, was darfs bei dir heute sein?“ Mit Julia bin ich mittlerweile per Du.
„Wenn ich das wüsste….“ Ich starre unentschlossen auf die Theke. Oliven, schwarze, grüne, Trauben, Käse, so weit das Auge reicht. Stolze Preise, natürlich. Aber bei der Kundschaft…. Irgend jemand rempelt mich von hinten an. „Dann eine Scheibe kampanischen Ziegenkäse, bitte. Und die grünen Oliven hier.“
„Kommt noch was dazu?“ Julia hat ihre Augen schon wieder bei der nächsten Kundin.
„Nein,“ Ich nehme das Paket entegegen, „Aber kennst du eine gute Fleischerei?“
„Ist gleich um’s Eck. Die Marcia, die hat das beste Schweinefilet, kann ich dir sagen.“

Rom, vor 2000 Jahren. So ungefähr könnte es auf dem Forum – der zentrale Marktplatz – damals zugegangen sein. Verkäuferinnen, Händlerinnen, Sklavinnen und Mägde soweit das Auge reicht. „Nur“ Hausfrau sein? Davon können viele Frauen im alten Rom nur träumen.

Die Haushaltskasse ist nämlich notorisch leer. Als gewöhnlicher Arbeiter im Alten Rom verdient Mann gerade so viel, dass er sich abends einen Krug verwässerten Wein und drei Scheiben Brot leisten kann. Reicht gerade mal so, oder? Aber da warten ja noch eine Frau und drei Kinder zuhause. Die Rechnung geht also nicht auf. Anpacken heißt also die Devise.

Friseurin, Hebamme, Sängerin – Frauenberufe im alten Rom

Tatsächlich schweigen die römischen Autoren weitgehend über das arbeitende Frauenheer auf den Straßen Roms – mit einem so alltäglichen Thema lockt man keine müde Maus hinter dem Ofen hervor – aber dafür kennen wir römische Frauenberufe aus anderen Quellen. Von Grabsteinen zum Beispiel. Oder aus Inschriften.

Sie nennen nicht nur die Namen der Verstorbenen, sondern auch deren Berufe:

Gnome Pierinis, Friseurin[1]
Septimia Stratonice, Schuhmacherin[2]
Servia Cornelia Sabina, Krankenschwester[3]
Eucharis, Schauspielerin und Sängerin[4]
Caupona, Kellnerin[5]
Hygia, Hebamme[6]

Wie man sieht rackern sich Frauen im alten Rom vor allem in den „klassisch weiblichen“ Berufen ab: Also im Bereich Medizin, Erziehung, Unterhaltung – aber eben auch im Bereich Lebensmittel. Hier haben sie angefangen von der Produktion über den Handel bis zur Küche überall ihre Finger mit ihm Spiel.

Frisch auf den Tisch: Frauen in der Landwirtschaft

Welche kulinarischen Frauenberufe kennen wir aus dieser Zeit? Hier geben uns ausnahmsweise auch einmal römische Schriftsteller Hinweise – und zwar diejenigen, die sich mit dem „einfachen Leben“ der römischen Bevölkerung auf dem Land auseinandersetzen. Cato beispielsweise beschreibt recht eingängig den Arbeitsalltag einer Gutsherrin, der aktive Mitarbeit in der landwirtschaftlichen Produktion vorsieht – vor allem in der Konservierung und Einlagerung von Obst und Früchten sowie in der Weiterverarbeitung von Getreide zu Mehl.

Sie sorge (auch) dafür (…) dass sie viele Hühner und Eier hat (und dass) sie getrocknete Birnen, Spieräpfel, Feigen, Rosinen, in Most (eingelegte) Spieräpfel und Birnen und Trauben in (Ton-)Fässern und Quitten(äpfel) und Trauben in Trester (eingelegt) und in Krügen in der Erde vergraben hält und frische Pränestinische Nüsse (ebenfalls) im Krug in der Erde vergraben, dass sie Scantianische (Quitten-)Äpfel in (Ton-)Fässern und andere, die man gewöhnlich einlagert, und Wildäpfel, (kurz), dass sie all diese (Früchte) alljährlich sorgsam einlagert. Sie verstehe sich (auch) darauf, Weizenmehl und feines Dinkelmehl herzustellen.[7]

Und auch Columella kennt arbeitende Frauen in der Landwirtschaft. So soll die Frau des Gutsverwalters – ähnlich zu Cato – die angebauten Lebensmittel weiterverarbeiten, also vor allem Wein herstellen, Lebensmittel einlegen und haltbar machen.[8]

Vom Feld zum Markt: Frauen im Lebensmittelhandel

Und das nur für den eigenen Bedarf? Nein. Die vielen umliegenden Bauern-, und Gutshöfe produzieren in erster Linie für die hungrigen Mäuler der wachsenden Hauptstadt Rom. Und: Auch hier begegnen uns geschäftstüchtige Frauen – wie Julia und Marcia. Die verkaufen auf den Märkten selbstproduzierte oder gehandelte Waren weiter und treiben Handel.

Aurelia Nais beispielsweise, als Fischverkäuferin schwer beschäftigt.[9] Oder Coelia Mascellina, die  sich als Wein- und Ölhändlerin den einen oder anderen Obolus verdient. Wie man sich so einen Laden vorstellen muss, sehen wir auf einem Marmorrelief aus Ostia. Eine Gemüse-, und Geflügelhändlerin versucht hier, ihre Waren „an den Mann“ zu bringen.

Marmorrelief mit Marktszene: Gemüse- und Geflügelhändlerin bietet Waren feil
Wie man sieht: Frauen im alten Rom sind vielbeschäftigt. Sie deichseln nicht nur Haushalt und Kindererziehung, sondern mal auch noch ganz nebenbei ein Unternehmen. Als Bäuerin sind sie an der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung beteiligt, als Händlerin am Verkauf und als Köchin sorgen sie schließlich für das, was zuhause auf den Tisch kommt. Prost, Mahlzeit!

Lust auf ein römisches Rezept? Dann ran an den Kochlöffel:

Gurken-Sellerie Salat mit Hühnerbrustfilet

Gebratener Thunfisch auf Kürbis-Zucchini-Gemüse

Quark-Honig Kuchen mit Mohnstreusel


[1] CIL 6.9730, ILS 7419
[2] CIL 14 Suppl. 4698
[3] CIL 6.16450
[4] ILS 5213
[5] CIL 4.3494
[6] CIL 6.6647
[7] Cato, De agri cultura, 143.
[8] Columella, De re rustica, 1.8.19
[9] CIL 6.9801, ILS 7500

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.